Tag 10 / Petrozavodsk – St. Petersburg / Russland / 444 km

Motto des Tages: Wenn es einem den Boden unter den Füßen wegzieht

Ich wache mit Bauchschmerzen auf und muss gleich auf die Toilette. Das Essen war wohl nicht nur bei den anderen schlecht, sondern auch bei mir.

Kleiner Rückblick:
Nach der Ankunft im Hotel verabreden wir uns in der zugehörigen Bar. Schnell werden wir in der Speisekarte fündig und bestellen Essen und Trinken. Als es die zweite Runde Bier geben sollte, wird uns mitgeteilt, das dieses vom Fass aus ist. Es wird eine andere Flasche an den Tisch gebracht, diese ist aber schon abgelaufen. Weiter geht es damit, dass die Hälfte unserer Gruppe ihr Essen kalt bekommt bzw. sieht, wie es erstmal eine lange Zeit auf der Bar steht und kalt wird. Da der Kellner im Vier-Sterne-Hotel nur russisch kann und auch nicht versucht, sich zu entschuldigen, kommt eine junge Dame von der Rezeption um die Missverständnisse aufzuklären.

Am nächsten Morgen wird mir klar, dass mein Essen zwar warm war, aber wohl keine gute Wahl. Die Bauchschmerzen nehmen zu und ich verbringe eine kurze Zeit auf der Toilette, bevor mir so schwindlig wird, dass ich mich auf dem Fußboden wieder finde. Den Sturz hatte ich schon gar nicht mehr mitbekommen… Als ich aufstehe und mir an den Kopf fasse, sehe ich schon das erste Blut. Klasse! Da mir noch immer schwindlig ist, gehe ich erstmal zum Bett und lege mich hin. Mein Vater holt mir gleich ein nasses Handtuch und schnell bekommen wir mit, dass es eine Platzwunde an der linken Augenbraue ist, die aber zum Glück nicht stark blutet. Da ich selbst nicht beurteilen konnte, wie groß die Wunde nun war, meldete ich mich bei einem anderen Team, der einzigen anderen Frau, die noch in unserer Gruppe mitfährt. Schnell kam sie uns zu Hilfe und holte Verbandsmaterial. In der Zwischenzeit hat mein Papa noch ein anderes Team angesprochen und diese haben sich Rat bei den fahrenden Sanitätern vom Veranstalter geholt, wie man die Wunde am besten versorgt, da ich nicht unbedingt ins Krankenhaus wollte. Schnell ging es mir mit Kreislauf und Bauch wieder besser. Alle berieten sich und versorgten dann meine Wunde. Da es mir bald auch wieder gut ging, entschieden wir uns, schnell die Zelte im Hotel abzubrechen und wieder zu starten.

Während der Fahrt nach St. Petersburg regnet es öfters mal und wir kommen auch während eines Schauers im Hotelinnenhof an. Umgeben von Sehenswürdigkeiten liegt das Hotel genau im Touristenzentrum und wir erreichen alles zu Fuß, genau das Richtige um dort zwei Nächte und einen ganzen Tag zu verbringen. Wir freuen uns, dass wir so viel Zeit in dieser prunkvollen Stadt verbringen dürfen, laut Roadbook ist dafür nur eine Nacht vorgesehen, aber da wir der Streckenempfehlung einen ganzen Tag voraus sind, können wir uns diesen Luxus gönnen.

Nach dem Check-In folgen wir der Empfehlung der Rezeption und gehen mit den anderen in ein georgisches Restaurant. Das „Tefsi“ (unser Kellner kann nur spanisch und das mitten im Herzen von St. Petersburg) ist eine umgebaute Wohnung und begrüßt seine Gäste als erstes mit einem Blick in die Küche. Die verschiedenen Zimmer sind sehr gemütlich und liebevoll eingerichtet. In der Speisekarte sind alle Gerichte abgebildet und schauen zu unserer Überraschung später auf dem Tisch genauso umwerfend aus. Da es sich jeweils um kleine Portionen handelt, bestellt jeder mehrere, die ihn interessieren und gemeinsam essen wir dann von allem – der Tisch wird rasch sehr voll. Das Essen ist unglaublich lecker und dieses Restaurant ist mehr als eine Empfehlung wert!

Anschließend gehen wir noch gemeinsam am Ufer der Heba entlang. Da es am nächsten Tag mit Schifffahrten üngünstig aussehen soll, weil schlechtes Wetter gemeldet ist, entscheiden wir uns spontan für eine Schifffahrt bei Nacht. Diese führt nicht nur den Fluss entlang, sondern auch durch die Kanäle. Die Fahrt war sehr kalt und windig, aber auch wunderschön! Wir empfehlen jedem, der nach St. Petersburg kommt, diese Bootsfahrt unterem Sternenhimmel.

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