Your Challenge?

Das Abenteuer liegt nun schon eine Weile hinter uns, aber ein paar Gedanken sind geblieben – diese möchte ich gerne mit euch teilen.

Frauenquote
Gleich am Start wird für mich ein unbegreiflicher Fakt bei der Begrüßungsansprache durchgesagt: „Es sind fast 500 Männer dabei, aber nur 45 Frauen“ – Woran liegt das? Ist es für Frauen wirklich nicht interessant oder schreckt das wilde Camping ab? Oder fehlt der letzte Schritt zur endgültigen Entscheidung? Falls der letzte Anschubser fehlt: Ich kann nur jeder Frau dazu raten, alle Bedenken über Board zu werfen und bei diesem großen Abenteuer mitzumachen! Ja, es ist ein Abenteuer, aber genau dieses sollte man erleben, wenn man sich dazu berufen fühlt. Man geht auf eine Reise, entdeckt die nördlichen Länder, erlebt alles selbst und sammelt Erfahrungen, aus denen Geschichten werden.

Theorie zur Abwesenheit der Nacht
Während der ersten Tage entwickle ich meine persönliche Theorie: Man hält vermutlich die Rallye nur so gut durch, da an den meisten Tage die Sonne nicht untergeht und man so nicht müde wird, sondern „nur“ erschöpft. Ich merke erst an den letzten Tagen und vor allem an den ersten Tagen zu Hause, wie anstrengend diese Reise für mich war. Wir sind am Tag zwischen 10 und 12 Stunden Auto gefahren und haben viel erlebt. Die täglichen Aufgaben waren uns jeden Tag eine Freude und wir haben dadurch Leute und Orte kennengelernt, denen wir so nicht begegnet wären.

Das Zitat:

Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an.

…hat sich für mich nur bewahrheitet und meine Abenteuerlust ist nach wie vor ungebändigt.

Tag 16 / Wolgast – Hamburg / Deutschland / 342,7 km

Motto des Tages: Master of Adventure

Das Ziel ist glasklar: die Ziellinie in Hamburg auf dem Fischmarkt. Vom Veranstalter ist der Zieleinlauf zwischen 16:00 und 17:00 Uhr geplant. Bis halb sechs am Abend musste man sein Roadbook abgegeben haben, wenn man an der offiziellen Wertung teilnehmen möchte. Wir gehen mit 487 Punkten von 895 ins Rennen. Wir rechnen uns keine großen Chancen auf einen Podestplatz aus, aber unsere Reise war viel mehr als eine Rallye. Wir haben viele außergewöhnliche Menschen kennengelernt, neue Länder mit einzigartigen Orten entdeckt und viele Geschichten erlebt.

Wir waren auf einer Reise, haben Teile der Welt entdeckt, alles selbst erlebt und selbst erfahren, riechen, schmecken und gehört, unseren Horizont erweitert, sind in fremde Kulturen eingetaucht und haben versucht, die Menschen besser zu verstehen.*

Den letzten Rallyetag können wir ganz entspannt angehen und uns außergewöhnlich viel Zeit beim Frühstücken lassen, bei dem es eine reichliche Auswahl am Buffet gibt, aber die Kaffemaschine streikt. Nicht, dass es unser Anti-Technik-Troll war, der sich ein neues Zuhause auf Usedom gesucht hat! Gerne lassen wir diesen aber auf der Strecke…

Wir starten gegen Mittag Richtung Hamburg und kommen gut durch. Wie nicht anders zu erwarten, treffen wir auf den Autobahnen in Deutschland die ersten anderen Teams. Wir kommen in Hamburg etwas eine Stunde vor Zieleinlauf an und entscheiden uns, erst in unserem Hotel für die Nacht einzuchecken, da wir erst am nächsten Tag die restlichen 400 km nach Wittenberg fahren. Im Hamburg wimmelt es vor Polizei und wir müssen dreimal unsere Route ändern, weil wir dank Polizeiabsperrung nicht weiterkommen. Endlich im Hotel angekommen, erklärt uns die Dame von der Rezeption, dass das Parkhaus schon seit vier Wochen gesperrt ist, da am nächsten Wochenende in der Nähe der G20 Gipfel stattfindet. Sie beteuert aber auch, dass wir ohne Sorgen in den Straßen um das Hotel parken können. Was sich auch als wahr herausstellt – Lotte wird die ganze Nacht von drei großen Autos mit Besatzung bewacht.

Der Zieleinlauf stellt sich als sehr unproblematisch heraus, wir verfahren uns nur einmal und sehen, wie drei andere Teams vor uns die Linie überfahren. Wir werden mit tosendem Applaus und von bekannten Gesichtern aus der Rallyezeit empfangen. Besonders schön war das Wiedersehen mit der engsten Familie. Meine Mama, Bruder und Cousine haben es sich nicht nehmen lassen, uns persönlich wieder in Hamburg zu empfangen. Nach der Abgabe des Roadbooks machen wir uns auf in die Ratsherrn Brauerei und lassen den Tag mit der Siegerehrung bei Bier und Burgern ausklingen.

*(Teile von einem Zitat von Nina Sedano verwendet)

Tag 15 / Reda – Wolgast / Polen, Deutschland / 392,0 km

Motto des Tages: Immer noch eine graue Front über uns

Tag 15 beginnt erneut mit Regen, aber mit einem großen Frühstück, bei dem keine Wünsche offen bleiben. Wir genießen das reichliche Angebot und fahren erst 10:30 Uhr wieder los um unsere Tagesaufgabe zu lösen. Diese scheint sehr einfach – wir sollen unser Roadbook mit den Bildern bestücken und alles ausfüllen. Drei Geschäfte und ein defektes Gerät später können wir endlich unsere Bilder drucken. In aller Ruhe werden die Bilder eingeklebt und die ersten Punkte zusammen gerechnet. Wir haben fast alle unsere Tagesaufgaben geschafft. Nur eine haben wir nicht in Angriff genommen. Wir hätten in Russland Kartoffeln gegen Wodka tauschen und neue Freunde kennenlernen sollen. Wir machen uns auf den Weg in Richtung Deutschland.

Da es in Kolberg immer noch wie es aus Eimern schüttet, entscheiden wir uns, weiter zu fahren. Wir sind uns schnell einig, auf der Strecke nach Hamburg auch Usedom noch einen Besuch abzustatten. Deshalb bleiben wir die nächste Nacht in Wolgast, wo wir abends noch das Hafenfest besuchen.

Tag 14 / Kaliningrad – Reda / Russland, Polen / 293 km

Motto des Tages: It´s raining 

So wie der vorhergehende Tag wettermäßig geendet hatte, begann der neue Tag – mit Regen. Dieser sollte auch in der übrigen Zeit in Russland nicht enden. Nach einem einfachen russischen Frühstück, was aus Toastbrot mit Ei bestand und die eine Teamhälfte hungrig ließ, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Im Gegensatz zu Murmansk und Petrozavodsk überzeugt Kaliningrad mit einigen modernen Gebäuden, aber wenigen Sehenswürdigkeiten. Der Regen wird immer stärker und so entscheiden wir uns schnell für eine Weiterreise.

Die Ausreise aus Russland besteht zum größten Teil aus Warten, genauso die Einreise nach Polen. Für jede Grenze brauchen wir eine Stunde. Der Regen begleitet uns weiter in Polen und wir kamen nur sehr langsam voran, da wir in einen kilometerlangen Stau geraten waren.

Tag 13 / Uuri – Kaliningrad/ Estland, Lettland, Litauen, Russland / 791 km

Motto des Tages: Back to Russia

Der eigentliche Tag hatte eine Tagesaufgabe vorgesehen, auf die ich mich schon sehr als Fotografin gefreut hatte. Auf dem Plan stand ein Besuch eines sehr surrealen Strandes. Früher war dieser Platz ein Gefängnis und ein Arbeitslager – die Gebäude stehen zum Teil unter Wasser oder sind schon fast ganz im See versunken. Da aber am kommenden Wochenende dort ein Techno Festival statt finden soll, ist diese Location momentan umzäunt und nicht zugänglich. Deswegen gab es eine neue alternative Tagesaufgabe vom „Superlative Adventure Club“. Wir sollten das höchste „Gebäude“ in den drei Staaten Estland, Lettland und Litauen finden. Nach kurzer Rechere fand ich heraus, dass der höchste Fernsehturm der europäischen Union in Riga steht. Also machten wir uns auf den Weg, diesen zu finden und zu besuchen. Wir kommen in Riga bei Regen an und diese Stadt wirkt auf uns sehr grau. Nur zwei Gebäude, an denen wir auf dem Weg zum Fernsehturm vorbei kommen, gefallen uns. Den Turm selbst umrunden wir einige Male, bevor wir die richtige Abfahrt dorthin finden. Einsam steht der Turm auf einer einzelnen Insel, umgeben von Wasser.

Da wir mit großem Andrang bei der erneuten Einreise nach Russland rechnen, entschließen wir uns, noch einige Kilometer zu fahren um am nächsten Tag einen vielleicht nötigen Zeitpuffer zu haben.
Auf diesem Weg kommen wir auch schon an der Tagesaufgabe für den nächsten Tag vorbei. Wir halten an und besuchen den Berg der Kreuze bei Siauliai. Wir sollen dort ein selbstgebasteltes Kreuz aufstellen und uns was wünschen. (Wie es sich gehört bleiben die Wünsche geheim.)

Unser Weg führt uns dann weiter als gedacht. Da der Fahrer die letzten zwei Campingplätze links liegen lässt und sich keine anderen Möglichkeiten mehr zum Parken für die Nacht ergeben, finden wir uns kurz vor 21 Uhr am Grenzübergang ein. Es dauert wieder seine üblichen zwei Stunden. Der Fahrer muss wieder Formulare ausfüllen, es werden die Personen überprüft und danach das Fahrzeug kontrolliert.

Kurz vor halb Eins kommen wir bei Regen in der Stadt Kaliningrad an und suchen uns ein Hotel für die Nacht.

Tag 12 / St. Petersbrug – Uuri / Russland, Estland / 340 km

Motto des Tages: Baltic States Party

Der Konvoi von sechs Autos startet neun Uhr vom Hotelhof, Richtung Grenzübergang nach Estland. Während der Fahrt aus St. Petersburg verloren wir jedoch ein Auto, welches uns auf der Landstraße schnell wieder einholte. Einige Kilometer vor der Grenze stehen schon die ersten LKWs in Reihe und warten. Wir können erst weiter fahren, aber stehen dann auch etwas über eine halbe Stunde, bevor wir durch die erste Schranke fahren dürfen. Im russischen Grenzbereich werden erst die Autopapiere geprüft, danach unsere Personalien und als letztes wird das Auto untersucht. Das alles dauert ungefähr 1 1/2 Stunden. An der Grenze zu Estland rein, werden unsere Papiere und die vom Auto erneut geprüft.

Wir müssen nicht mehr lange fahren und finden auch sehr schnell die versteckte Party Location mitten im Wald. Ein unglaublich schöner Ort, Natur pur. Das Gelände ist umgeben von Wald und ein kleiner Bachlauf führt hindurch.

Kurz nach der Ankunft machte ich mich auf die Suche nach dem Ärzteteam um meine Platzwunde begutachten zu lassen. Diese reinigten die Wunde noch einmal und nahmen ein kleines Klammerpflaster zum Schließen der Wunde. Sie hätten es vermutlich sogar am Unglückstag noch genäht, aber dafür war es nun schon zu spät. Ihr Urteil jedoch war, dass die Wunde gut aussieht und vielleicht ein kleines Andenken zurück bleibt.

Am Abend gibt es in einem sehr großen Tippi ein estländisches Buffet mit Salaten, Fleisch und geräuchertem Fisch. Der Abend wird mit typischen estländischen Tänzen eröffnet und drei Stunden später gibt es noch eine kleine Feuershow. Es gibt des Weiteren zwei Saunen, die bis morgens vier Uhr in Betrieb sind.

Es wird wieder eine kurze und kalte Nacht.

Tag 11 / St. Petersburg / Russland

Motto des Tages: St. Petersburg – eine Stadt voller wunderschöner Gebäude

Unglaublich, aber dieser Tag verspricht ausnahmsweise ein Tag ohne Autofahren zu werden. Wir gehen nach einem kleinen Frühstück mit den Jungs vom Team 38 los.

Unser erstes Ziel ist der Panzerkreuzer Aoroa. Vor Ort stellen wir fest, dass wir das Schiff heute nicht besichtigen können, da es geschlossen ist. Warum, können wir nicht erfahren – wie in Russland üblich steht alles nur auf Russisch da und noch nicht mal Informationen auf Englisch. Den Tag über stellen wir immer mehr fest, dass die Stadt wunderschön ist, aber man nicht viel Informationen bekommt, außer man kann Russisch.

Auf unserem Weg schauen wir uns die verschiedenen Sehenswürdigkeiten von außen an. An der „Peter and Paul´s Fortress“ angekommen, entdecken wir ein Schild, auf dem ein Rundflug über St. Petersburg angeboten wird. Wir gehen zum Hubschrauber hin und stellen fest, dass dieser heute wegen starkem Wind nicht fliegt. Dieser Wind treibt auch das ganze Wasser in die Stadt – so dass die Schiffe heute auch keine Kanäle passieren können, weil das Wasser so hochsteht, dass die Schiffe nicht mehr unter den Brücken durchfahren können.

Nach einem Stadtbummel von 14 km, legen wir uns erstmal für ein kleines Spätnachmittagsschläfchen hin, bevor die Tagesaufgabe in Angriff genommen wird. Diese lautet, man soll die Bar „Dunes on Ligovsky“ finden und dem Barmann das Codewort „Russian Viking“ zuflüstern, dann bekommt man eine geheime Botschaft zugesteckt.

Wir laufen zu der Bar vom Hotel über eine Stunde und das Dunes ist wirklich nicht leicht zu finden. Wir verlaufen uns ein paar mal und treffen noch ein anderes Team, was gerade von dort kommt und uns den komplizierten Weg verrät. Da es dann auch schon fast 22 Uhr ist und wir den ganzen Weg an hunderten Geschäften wieder zurück müssen – bleiben wir nur auf zwei Bierchen in der Strandbar.

Tag 10 / Petrozavodsk – St. Petersburg / Russland / 444 km

Motto des Tages: Wenn es einem den Boden unter den Füßen wegzieht

Ich wache mit Bauchschmerzen auf und muss gleich auf die Toilette. Das Essen war wohl nicht nur bei den anderen schlecht, sondern auch bei mir.

Kleiner Rückblick:
Nach der Ankunft im Hotel verabreden wir uns in der zugehörigen Bar. Schnell werden wir in der Speisekarte fündig und bestellen Essen und Trinken. Als es die zweite Runde Bier geben sollte, wird uns mitgeteilt, das dieses vom Fass aus ist. Es wird eine andere Flasche an den Tisch gebracht, diese ist aber schon abgelaufen. Weiter geht es damit, dass die Hälfte unserer Gruppe ihr Essen kalt bekommt bzw. sieht, wie es erstmal eine lange Zeit auf der Bar steht und kalt wird. Da der Kellner im Vier-Sterne-Hotel nur russisch kann und auch nicht versucht, sich zu entschuldigen, kommt eine junge Dame von der Rezeption um die Missverständnisse aufzuklären.

Am nächsten Morgen wird mir klar, dass mein Essen zwar warm war, aber wohl keine gute Wahl. Die Bauchschmerzen nehmen zu und ich verbringe eine kurze Zeit auf der Toilette, bevor mir so schwindlig wird, dass ich mich auf dem Fußboden wieder finde. Den Sturz hatte ich schon gar nicht mehr mitbekommen… Als ich aufstehe und mir an den Kopf fasse, sehe ich schon das erste Blut. Klasse! Da mir noch immer schwindlig ist, gehe ich erstmal zum Bett und lege mich hin. Mein Vater holt mir gleich ein nasses Handtuch und schnell bekommen wir mit, dass es eine Platzwunde an der linken Augenbraue ist, die aber zum Glück nicht stark blutet. Da ich selbst nicht beurteilen konnte, wie groß die Wunde nun war, meldete ich mich bei einem anderen Team, der einzigen anderen Frau, die noch in unserer Gruppe mitfährt. Schnell kam sie uns zu Hilfe und holte Verbandsmaterial. In der Zwischenzeit hat mein Papa noch ein anderes Team angesprochen und diese haben sich Rat bei den fahrenden Sanitätern vom Veranstalter geholt, wie man die Wunde am besten versorgt, da ich nicht unbedingt ins Krankenhaus wollte. Schnell ging es mir mit Kreislauf und Bauch wieder besser. Alle berieten sich und versorgten dann meine Wunde. Da es mir bald auch wieder gut ging, entschieden wir uns, schnell die Zelte im Hotel abzubrechen und wieder zu starten.

Während der Fahrt nach St. Petersburg regnet es öfters mal und wir kommen auch während eines Schauers im Hotelinnenhof an. Umgeben von Sehenswürdigkeiten liegt das Hotel genau im Touristenzentrum und wir erreichen alles zu Fuß, genau das Richtige um dort zwei Nächte und einen ganzen Tag zu verbringen. Wir freuen uns, dass wir so viel Zeit in dieser prunkvollen Stadt verbringen dürfen, laut Roadbook ist dafür nur eine Nacht vorgesehen, aber da wir der Streckenempfehlung einen ganzen Tag voraus sind, können wir uns diesen Luxus gönnen.

Nach dem Check-In folgen wir der Empfehlung der Rezeption und gehen mit den anderen in ein georgisches Restaurant. Das „Tefsi“ (unser Kellner kann nur spanisch und das mitten im Herzen von St. Petersburg) ist eine umgebaute Wohnung und begrüßt seine Gäste als erstes mit einem Blick in die Küche. Die verschiedenen Zimmer sind sehr gemütlich und liebevoll eingerichtet. In der Speisekarte sind alle Gerichte abgebildet und schauen zu unserer Überraschung später auf dem Tisch genauso umwerfend aus. Da es sich jeweils um kleine Portionen handelt, bestellt jeder mehrere, die ihn interessieren und gemeinsam essen wir dann von allem – der Tisch wird rasch sehr voll. Das Essen ist unglaublich lecker und dieses Restaurant ist mehr als eine Empfehlung wert!

Anschließend gehen wir noch gemeinsam am Ufer der Heba entlang. Da es am nächsten Tag mit Schifffahrten üngünstig aussehen soll, weil schlechtes Wetter gemeldet ist, entscheiden wir uns spontan für eine Schifffahrt bei Nacht. Diese führt nicht nur den Fluss entlang, sondern auch durch die Kanäle. Die Fahrt war sehr kalt und windig, aber auch wunderschön! Wir empfehlen jedem, der nach St. Petersburg kommt, diese Bootsfahrt unterem Sternenhimmel.

Tag 9 / Murmansk – Petrozavodsk / Russland / 958 km

Motto des Tages: Auf nach St. Petersburg

Die Strecke zwischen Murmansk und St. Petersburg beträgt ca. 1400 km und das ist nicht an einem Tag zu schaffen. Wir bleiben weiter in unserem festen Verband und reisen so gemeinsam Richtung Süden.

Als wir durch Murmansk fahren, entdecken wir immer noch keine schönen Ecken. Diese Stadt besteht zum größten Teil aus baufälligen Gebäuden und hat touristisch aus unserer Sicht nichts zu bieten.

Die Hauptstraße führt uns wieder raus aus der Stadt und die Landschaft wirkt sehr karg. Mit der Zeit wird diese erst sumpfiger mit viel Wasser und kleinen Bäumen und später am Tag fahren wir durch Wälder.

Bei unserem letzten Halt an einer Tankstelle entschließt sich die Gruppe, noch 250 km zu fahren und sich ein Hotel in Petrozavodsk zu suchen und morgen die letzten 400 km nach St. Petersburg zu fahren. Wir freuen uns, dass wir so gut im Rennen liegen. Da können wir mindestens einen Tag in der Stadt bleiben.

Tag 8 / Inari – Murmansk / Finnland, Russland / 339,3 km

Motto des Tages: Ein Besuch in Murmansk reicht für das ganze Leben

Es ist kurz nach Mitternacht und wir sind auf der Suche nach einem Campingplatz. Die Gegend sieht schon stark nach Outback aus und an den ersten zwei Plätzen fahren wir vorbei, da diese nicht sehr vertrauenserweckend aussehen. Auf einmal fallen uns bekannte Gesichter am Straßenrand auf, die uns schon zuwinken und signalisieren, dass wir anhalten sollen. Wir treffen vier andere Teams, die sich zusammen getan haben um die Tagesaufgabe von Tag acht zu lösen. Wir sind gleich mit von der Partie – eigentlich hatten wir diese schon so gut wie aufgegeben, weil wir einfach keine anderen Teams mehr gesehen haben und am heutigen Tag, nach einer Runde Schlaf, schon nach Russland einreisen wollten.

Das To-Do für heute lautet nämlich, sich mit anderen Teams zu treffen und gemeinsam ein Lagerfeuer zu machen. Pro Team gibt es einen halben Punkt und da wir noch in Finnland sind, zehn Punkte extra. Ab Russland würde es keine extra Punkte fürs Land geben. Schnell haben wir diese Aufgabe erledigt und folgen den anderen zum Campingplatz.

Während der Gespräche erfahren wir, dass einige schon in der Nacht zuvor das heiß begehrte Foto samt Rallye Auto am Nordkap gemacht haben und das es alles ohne Probleme verlaufen ist, weil niemand mehr da war. Aber dafür muss man einfach drei Uhr nachts dort sein.

Nach einer Portion Schlaf und hoffentlich der letzten Nacht mit einstelligen Temperaturen geht es auch schon los – Richtung russische Grenze. Nach dem ersten Reisepass-Check geht es auf einen Parkplatz, wo schon sieben andere Rallye Autos stehen. Wir bekommen ein kleines Formular, das wir ausfüllen sollen. Nach kurzer Prüfung geht es dann für alle Passagiere des Autos in ein Gebäude, wo schon die anderen Teams warten. Da geht es ganz gemächlich zu und jede Person wird einzeln überprüft. Danach darf man durch eine Absperrung, wo der Fahrer wieder ein Formular ausfüllen muss. Nach Prüfung dieses geht er zur nächsten Station und muss noch einmal ein Formular ausfüllen. Danach werden alle Papiere und Formulare geprüft und der Fahrer muss mit einem Zollbeamten zum Auto. Der Copilot muss die ganze Zeit im Gebäude warten. Nach erfolgreicher Kontrolle konnten wir dann fahren und mussten noch kurz mit dem Auto durch zwei Schranken fahren. Die Einreise verlief problemlos und hat nur zwei Stunden in Anspruch genommen und nicht, wie befürchtet, mehrere.

Mit einer kleinen Autokolonne von vier Fahrzeugen ging es dann weiter nach Murmansk. Vorbei an stillen Wäldern und vielen verfallenen Gebäuden. In der Stadt suchten wir uns ein gemeinsames Hotel mit bewachtem Parkplatz und schauten uns nach dem Check-in noch die Stadt an. Eine für unsere Verhältnisse sehr heruntergekommene Stadt, mit vielen verfallenen Fassaden.