Tag 7 / Alta – Inari / Norwegen, Finnland / 701 km

Motto des Tages: Warten wir noch oder fahren wir weiter?

Da wir die Räder noch in der Nacht gewechselt haben, blieben wir weiter gut im Rennen und waren schon gegen 14 Uhr am Nordkap. Schnell wurde das Foto von uns und der Weltkugel gemacht und so auch wieder eine Tagesaufgabe erfüllt. Check!

Von vielen Rallye Teams in den vergangenen Jahren ist ein Foto wohl das bekannteste: wie sie mit ihrem rollenden Gefährten vor der Weltkugel am Nordkap stehen. Eigentlich haben wir uns genau auf dieses Foto gefreut, aber dazu gibt es gleich viele Hinweise im Roadbook. So einfach Hinfahren und nett fragen ist da wohl nicht die beste Herangehensweise – oder doch? Wir werden darauf hingewiesen, dass es verboten sei, mindestens 200€ Strafe kostet und man bei unerlaubtem Handeln auch von der Rallye disqualifiziert wird. Des Weiteren wird aber auf ein Zeitfenster von 1 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens am achten Tag des Baltic Sea Circle hingewiesen. Bis dahin ist es eine lange Zeit und beim Bezahlen der Maut wird aus dem Gespräch mit dem Kassierer klar, dass keiner etwas davon weiß – die Rallye an sich ist ihm noch nicht mal bekannt. Im Nachhinein ärgert es mich sogar, ihn nicht einfach gefragt zu haben, ob wir vielleicht doch mal kurz dürfen… Mit einer Erlaubnis ist es ja gestattet!

Nach reiflicher Überlegung war uns die Wartezeit erstens zu lang – in den sechs Stunden können wir schon ein gutes Stück zurücklegen und uns die Strecke besser einteilen. Zweitens sind es jetzt schon nur noch sechs Grad und während der Warterei wird die Temperatur auch noch reichlich sinken. Die Partynacht auf den Lofoten hat uns eins gelehrt: Karlheinz verträgt die Kälte nicht und hatte ganz steife Knochen bekommen. Genau das wollen wir nicht nochmal riskieren und dann stand immer noch die Frage im Raum, ob es denn überhaupt erlaubt gewesen wäre. Also ging es weiter nach Finnland. Auf dem Weg liefen in regelmäßigen Abständen Rentiere mit und ohne Junge über die Straße. An die 50 Rallye Teams kamen uns entgegen und einige wollten die Nacht ausharren beim gemeinsamen Grillen bis zum Zeitfenster. Ich bin schon ganz gespannt auf das Treffen in Estland und den Bericht, ob andere Teams ihr ersehntes Foto bekommen haben. Oder hat doch jemand schon tagsüber gefragt und die Erlaubnis bekommen?

Tag 6 / Hov – Alta / Norwegen / 746 km

Motto des Tages: Flotte Lotte braucht neue Schuhe

Nach einer sehr kurzen und doch auch kalten Nacht starteten wir gegen neun Uhr weiter Richtung Nordkap. Fahrer und Copilot steckten die Nacht und die Kälte in den Knochen. Da es, wie der Name schon verspricht, weiter in den Norden ging, sanken auch dementsprechend weiter die Temperaturen bis auf fünf Grad.

Während der Fahrt ging es vorbei an etlichen Wasserfällen und Rentieren direkt an der Straße. Mit jedem Kilometer wurde es bergiger und die ersten schneebedeckten Berge nahmen Gestalt an.

Gegen Nachmittag nahmen wir dann unsere Tagesaufgabe in Angriff: Wir sollten zwei norwegische Trucker finden und diese zum Armwrestling herausfordern. Gesagt, getan – was soll man da lange überlegen! Also den nächsten Parkplatz mit so vielen LKWs wie möglich finden und dann einfach ganz nett fragen. Schnell konnten wir sogar zwei Trucker überreden, gegen uns anzutreten. Okay, okay, wir hatten keine Chance. Allerdings hat Karlheinz trotzdem gewonnen, da der Trucker wohl noch nicht bereit war. Aber lustig war es allemal!

Wie es aber zu einer richtigen Rallye dazu gehört, macht auch das Auto mal Probleme – wobei es wohl eher ein Problemchen ist, verglichen mit denen manch anderer Teams. Auf einem kurzen Zwischenhalt an einem Parkplatz entdeckten wir, dass das rechte Rad abgefahren war und an der Seite sogar schon das Profil fehlte. Wir vermuten, dass der Sturz an dieser Stelle nicht richtig eingestellt ist, ABER sowas geht leider nicht auf die Schnelle zu reparieren. Also war unser erste Gedanke, morgen eine Werkstatt zu suchen und das Auto auf die Hebebühne zu stellen und die jetzigen Hinterräder nach vorne zu montieren und unsere zwei Ersatzräder hinten ran. Nach einer kurzen Überlegung entschieden wir uns dann aber, doch gleich Bäumchen wechsel dich zu spielen. Das Ende vom Lied, Lotte hat jetzt neue Schuhe und kann bis Wittenberg wieder den rechten Reifen ablaufen. Nun ist sie aber bereit, morgen ans Nordkap zu fahren.

Tag 5 / Fredvang – Hov / Norwegen / 110 km

Motto des Tages: Wie die Nacht zum Tag wird!

Nach einer herrlichen heißen Dusche am Morgen konnte der Tag starten. Unser Tagesziel, die Location für die „Arctic Circle Party“, war nur 110 km entfernt – also konnten wir den Tag einfach ruhig und entspannt angehen lassen.

Auf dem Weg nach Hov hielten wir an mehreren Ecken an und machten ein paar schöne Erinnerungsfotos. Leider spielte das Wetter nicht so mit und es folgten einige kleinere Regenschauer und die Temperaturen sanken bis auf 9 Grad.

Die Gimsoya Küste empfing uns mit einer kalten Brise und vielen schon angekommenen Teams. Schnell suchten wir uns einen Stellplatz. Da es noch drei Stunden bis zum offiziellen Partybeginn waren, ging Karlheinz erstmal an der Küste angeln und Constanze blieb am Auto. Leider war es an der Location durch den starken Wind sehr kalt.

Diese Nacht ohne Sonnenuntergang begann mit einem gemeinsamen Grillen. Darauf folgten die „Baltic Rally Viking Games“, bei denen wir sogar durch einen geschickten Wurf von Karlheinz in der ersten Runde weiter kamen und uns so schon gegen die meisten durchgesetzt hatten. In der zweiten Runde, in der Tauziehen anstand (jeweils drei Teams pro Seite), schieden wir aber leider aus.

Eine lange Nacht mit Lagerfeuer, Baden im Eismeer (allerdings ohne uns) und lustigen Geschichten folgte. Nur so viel sei verraten – wenn man halb zwei ins Bett geht und die Sonne scheint wie mittags in Deutschland, ist das sehr surreal.

Tag 4 / Strömsund – Fredvang / Schweden, Norwegen / 440 km

Motto des Tages: Wie er uns den Atem raubte!

Nach der dritten Nacht in der Wildnis und den ersten eisigen Temperaturen, sehne ich mir eine warme Dusche herbei. Schnell entscheiden wir uns dafür, erstmal ein paar Kilometer zu fahren, bevor wir unser Frühstück einnehmen.

Bevor wir jedoch weiter Richtung Lofoten starten, wollen wir auch gleich noch mit unserer Tagesaufgabe beginnen. Wir sollen den allseits berüchtigten Surströmming (Schwedische Fisch-Delikatesse in einer Blechdose) in unserem Auto mitführen. Natürlich geöffnet und das ganze 200 km. Nach den abenteuerlichsten Geschichten, wie man diesen öffnet, dass sein Gestank einem den Atem raubt und man fast in Ohnmacht fällt, läuft bei uns die Öffnung ohne große Explosion und ohne Verluste von Kleidungsstücken. Diese blieben von der Flüssigkeit verschont. Und ja, oh ja, er stinkt! Mit nichts zu vergleichen…

Die Strecke durch Nordland erwies sich als sehr baustellenlastig – viele Straßen und Tunnel werden gerade erneuert oder erst gebaut. Einen kleinen Halt am „The Arctic Circle Center“ (66° 33’N) ließen wir uns nicht nehmen und dann ging es auch schon weiter zur Fähre, wo wir ein Erlebnis hatten, was uns mehr Nerven gekostet hat als die letzten vier Tage zusammen.

Während unserer Copilot-Challenge haben wir uns so gut mit dem Team „Kronsnester on Tour“ verstanden, dass wir uns gleich zur Fähre verabredet haben. Während der Challenge hat das andere Team auch für uns alle die Plätze auf der Fähre gebucht… Wir kamen trotz kleinerer Staus und vielen Baustellen gut voran und waren schon 2 Stunden vor Abfahrt an der Fähre – leider waren wir aber nicht auf der Boardingliste zu finden und wir hatten total vergessen, die Telefonnummern mit dem anderen Team 136 zu tauschen. Diese kamen nicht so gut durch und waren erst kurz vor Abfahrt da. Wir, schon viele Nerven ärmer, waren froh als sie endlich ankamen und uns die langsam aufkommenden Zweifel nahmen. Mitlerweile waren wir uns auch schon nicht mehr sicher, am richtigen Hafen zu sein….

Die Fährfahrt erwies sich als etwas turblenter, aber uns als richtige Wikinger hat es nichts ausgemacht! Die Lofoten begrüßten uns mit schönstem Sonnenschein und wunderschöner Landschaft um 22 Uhr. Da es schon Zubettgehzeit war, suchten wir uns endlich mal einen Campingplatz – man lernt Wasser aus dem Hahn und warme Duschen erst zu schätzen, wenn man es nicht hat.

Tag 3 / Orsa – Strömsund / Schweden / 783 km

Motto des Tages: Neue Freundschaften schließen

Da wir in der Nähe unserer nächsten Challenge geschlafen hatten, war der Weg nicht weit zur Kreuzung der E45 / 296, wo wir auf ein anderes Team warten sollten, um die Copiloten für die nächten 150 km zu wechseln. Die erste halbe Stunde verging, ohne dass ein anderes Team die Kreuzung erreichte.

Wir mussten sehr hilflos gewirkt haben, da ein Ehepaar vor uns hielt und uns fragte, ob sie uns helfen können. Nach einer kleinen Unterhaltung nutzten wir die Gunst der Stunde und wollten unseren Tausch für Schweden erledigen. Nach kurzem Zögern und anfänglichem Unwillen konnten wir sie doch für einen Tauschhandel begeistern. Sie schlugen nach kurzem Überlegen vor, dass wir ihnen nach Hause folgen sollen und sie uns dann etwas zum Tausch geben. Da in der Zwischenzeit immer noch kein anderes Team angekommen war, haben wir uns darauf eingelassen – in der Hoffnung, dass wir bei der Rückkehr auf ein anderes Team treffen. Unseren Regenschirm aus Deutschland, der in Dänemark keinen Abnehmer fand, konnten wir so in Schweden gegen eine norwegische und schwedische Landkarte tauschen.

Wie gehofft, wartete ein uns schon bekanntes Team bei der Rückkehr an die Straßenkreuzung auf uns. Das Team 136 (Kronsnester on Tour) freute sich auch gleich bei unserer Sichtung und schnell wurden die Copiloten getauscht. Sehr schöne und interessante Stunden folgten.

Tag 2 / Höör – Orsa /Schweden / 890,5 km

Motto des Tages: Die Kraft der Natur

Der Vormittag verläuft wie im Bilderbuch. Unsere Tagesaufgabe ist viel schneller erledigt als gedacht! Wir sollen einen Autofriedhof mitten im Wald um Ryd finden. Wir fahren die Straße entlang und sehen erst ein anderes Team, bevor wir das heiß begehrte Schild entdecken. Wir nehmen uns die Zeit und schauen uns diese kunstvolle Ruhestätte ganz genau an.

Schnell wird uns aber auch wieder klar, dass es ein weiterer Tag in unserer fahrenden Sauna wird. Selbst die offenen Fenster reichen zum Teil nicht aus um angenehme Temperaturen zu schaffen. Der Tag vergeht im Auto und wir sehen erst nach 600 km mal wieder ein anderes Team. Aber unser Highlight des Tages kam ganz unerwartet, kurz vor halb Acht, auf uns zu – ein Elch! Noch nicht mal ganz ausgewachsen und schon größer als unser Auto! Da schaut man nicht schlecht, wenn dieser die Fahrbahn kreuzt. Leider war meine Reaktionszeit für ein Foto viel zu langsam.

 

Tag 1 / Hamburg – Höör /Deutschland – Dänemark – Schweden / 650 km

Motto des Tages: „Wie man zum Wikinger wird“

Wir wurden auf der Hauptstraße zum Fischmarkt schon mit wehenden Fahnen begrüßt – alle Rallye Fahrzeuge konnten gleich auf das Gelände fahren und sich auf ihren Startplatz stellen. Kurz nach der Ankunft sieht man schon die ersten bekannten Gesichter und kommt ganz kurz ins Gespräch ~ alle können es kaum erwarten und viele verabschieden sich noch von ihren Liebsten.

Jetzt ging es also wirklich endlich los! Die Aufregung und die Neugierde stiegen. Nach der Anmeldung und der Aushändigung des heiß begehrten Roadbook ging auch gleich das Studieren dieses los. Die erste Aufgabe war schon in Deutschland und die Kommenden auf dem Weg durch Dänemark hindurch. Die Tauschaufgabe, eine blaue Büroklammer gegen etwas Besseres, war schnell erledigt. Wir haben nun einen Regenschirm, mit dem wir dann in den nächsten Ländern weiter tauschen müssen…

Der Start kam schneller als gedacht und verlief auch blitzschnell – kurz auf die Rampe („Bühne“) hochgefahren, vorgestellt und dann gehts auch schon los. Alle vor und nach uns machten sich direkt auf den Weg zu ihrem persönlichen Abenteuer, nur wir nicht. Wir haben noch eine kleine Sonderaufgabe, nämlich im nächsten Elektronikladen einen Akku für eine geliehene Kamera kaufen. Kurzer Rückblick: Leider ist mir wenige Tage vor dem Start die Kamera kaputt gegangen und eine sehr nette und für mich sogar noch Unbekannte hat sich bereit erklärt (nach einem Aufruf eines gemeinsamen Freundes – tausend Dank an dieser Stelle an Falco) mir ihre geliebte „Hilde“ zu leihen. Die gute Hilde ist eine Canon 550D und sah auf den ersten Blick so aus, als würden meine Akkus passen – dem war leider nicht so. Da ich die Kamera aber erst am Abend zuvor bekommen habe und erst auf dem Weg zum Start meinen Fehler entdeckte, entschieden wir uns für diesen „kleinen“ Umweg.

Im Zeichen der Wikinger

Die Tagesaufgabe sah eine Wikinger Weihe in Schweden vor. Dazu brauchte man die vier Elemente. Einmal Sand aus Dänemark, einen Ast von einem schwedischen Baum sowie Wasser und Wind der Ostsee. Alles lies sich problemlos auf dem Weg nach Schweden zum Ales Stenar einfangen und bändigen. Gebündelt in einer „Coca Cola“ Flasche – denn diese musste dann auf dem Rücken getragen und auf allen Vieren um einen Stein von Ales Stenar getragen werden. Während unserer Weihe ging langsam die Sonne unter und so konnten wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang genießen.

Für uns sollte aber der Tag noch nicht zu Ende sein. Wir fuhren noch über 100 km, bevor wir unser Nachtlager in einem Wald bei Höör aufschlugen.

Bild des Tages: Ales Stenar

Stoppt Unwissenheit und Vorverurteilung! Teil 2

Es gibt viele Erfahrungen, die man im Leben sammelt und einige bleiben einem lange in Erinnerung. Viele der Bösartigen prägen sogar das weitere Leben.

So sammeln wir einige dieser Erfahrungen bereits im Kindesalter. Vom Moebius Syndrom betroffene Schüler erleben im Alltag Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Da der einzelne Täter erst stark in der Gruppe wird, ist es oft so, dass sich mehrere Mitschüler zusammen tun und ihr Opfer abpassen um es zu beschimpfen. Oft kann man diesen Situationen auch nicht aus dem Weg gehen, da sie auf dem Heimweg, in der Pause oder im Bus stattfinden. Genau diese Attacken sind oft prägend für das restliche Leben. Es ist keine Seltenheit, dass Betroffene oft große oder neue Menschengruppen meiden.

​Dabei nimmt die Gruppenbildung, um andere zu verspotten, offenbar auch im Alter nicht ab. Eine Betroffene hat mir vor kurzem berichtet, dass ihr zwei Männer durch den ganzen Laden gefolgt sind um sich über sie lustig zu machen. Immer wieder kamen beide hinter einem Regal hervor und haben erneut angefangen zu lachen. Die nächsten Male betrat sie das Geschäft mit einem unguten Gefühl und hatte Angst davor, diesen Männern noch einmal zu begegnen. So prägt wieder ein einzelnes negatives Erlebnis die folgenden Wochen und die Erinnerung verblasst auch die nächsten Monate nicht.

…all unsere Kleider

Wie es sich für ein richtiges Team gehört, sind wir nun auch stolze Besitzer von Teambekleidung. Passend zu unserem silbernen Flitzer sind unsere Sachen grau.

 

 

 

 

 

 

 

Besonders stolz sind wir auf die Jacken von stickin.de. Sie sind super weich und warm – genau das Richtige für die kalten Regionen auf der Tour. Leider ist mir bei der finalen Mail nicht der Schreibfehler aufgefallen =(. So wurde aus Team Charly = Charlie. Es ärgert mich sehr, dass es mir nicht aufgefallen ist, aber solche Fehler können passieren, wenn man in Vollzeit arbeitet und dazu jeden Tag zwei Stunden pendelt. So kann ich mich nur spätabends um unser Charity-Projekt kümmern. Wir tragen die Jacken trotzdem mit Stolz und freuen uns riesig über sie.

 

 

 

 

 

 

 

Stoppt Unwissenheit und Vorverurteilung!

Der erste Eindruck geschieht immer, er geschieht unbewusst und er geschieht in Sekundenschnelle! Keiner kann sich davon befreien und jeder geht anders damit um. Leider nehmen sich nur die Wenigsten die Zeit für einen zweiten Eindruck.

Die größte Problematik für das Gegenüber eines Betroffenen ist nicht nur die fehlende Mimik sondern auch das nicht alltägliche Aussehen. Dieses Syndrom ist sehr selten und so ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Krankheit kaum jemand kennt. Aber das ist keine Entschuldigung für eine zu schnelle Verurteilung. Einen großen Vorteil hat dieses Erkennungsmerkmal jedoch auch: man wird immer wieder sehr schnell erkannt, aber genauso so gut fällt man auch in der Masse auf. Jeder geht damit anders um, aber es wird Zeit, dass sich niemand mehr verstecken muss!

Schwerpunkt Alltag:

Für viele Betroffene ist der Alltag und damit auch das Auftreten in der Öffentlichkeit mit großen Ängsten verbunden. Jede abfällige Bemerkung, Geste oder „Witz“ ist ein weiterer Schlag ins Gesicht. Jeder weiß, dass er solche Situationen meistern muss und nicht auf die Goldwaage legen sollte, ABER die Regelmäßigkeit und das ewige Schikanieren von Fremden lässt das Selbstwertgefühl immer weiter sinken.

So werden Fahrten mit der Straßenbahn und der Einkauf von Lebensmitteln von einigen Betroffenen als Hindernislauf empfunden, eine Bestellung beim Bäcker und im Restaurant als Herausforderung. Weil es jeder schon mal erlebt hat, dass man nicht verstanden werden wollte, weil das Gegenüber zu sehr vom Äußeren abgelenkt wird. Weil dieses Aussehen in keine vorhandene Schublade passt. Klar, gibt es auch Betroffene, die Schwierigkeiten mit der Aussprache haben und sich besonders viel Mühe geben,  dass sie verstanden werden, aber manches Verhalten von ihren Gesprächspartnern verunsichert diese umso mehr. Dennoch gibt es auch Situationen, wie zum Beispiel die Bestellung beim Bäcker: jeder im Laden könnte der Verkäuferin sagen, was man möchte, nur diese versteht einen nicht.

So kann es auch vorkommen das man mit guter Laune in eine Straßenbahn einsteigt und keine 2 Minuten später ist einem diese vergangen. Weil ein Mitfahrer einen unentwegt anstarrt oder weil sich andere deutlich über einen lustig machen und das sogar so laut, dass man Wort für Wort hört.

Aber diese Beispiele sind noch „harmlos“ gegen Vorfälle, die Betroffene erlebt haben. In den kommenden Wochen werden regelmäßig „kleine Geschichten“ in diesem Blog veröffentlicht. Ich hoffe, dass diese Geschichten dazu beitragen, dass über das Syndrom mehr gesprochen und so die Unwissenheit bekämpft wird!
Redet darüber und klärt auf!